Komische Knubbel an der Schnauze

Die harmlosen, vergessenen Dinger mit den vielen Namen

Harmlose oder gefährliche Knubbel?

Entdeckt man einen Knubbel an seinem Hund, schießt einem ja oftmals nur das eine furchteinflößende Wort durch den Kopf: Krebs. Dabei gibt es noch unzählige andere Möglichkeiten – harmloser und gefährlicher Art. Sehr verbreitet sind die zumeist unproblematischen Lipome. Unter Hundehaltern als „Fettknubbel“ bekannt. Gerade ältere Fellnasen sind nicht selten davon betroffen. Aber auch als Reaktionen auf Injektionen (z.B. Impfungen) oder Insektenstiche sind solche Schwellungen nicht selten.

Da ich mir aber sicher war, dass mein Hund mit seinen 15 Wochen weder alt ist, noch seitlich an der Schnauze von irgend etwas gestochen wurde – und dies geschweige nicht beidseitig, wurde ich doch etwas unruhig. Hatte Elliot „Jokerkarte Nr. 3“ (zu Jokerkarte eins und zwei) in der Tasche versteckt?!

Observation der verdächtigen Knubbel

Mit Argusaugen beobachtete ich die beiden Verdächtigen über die nächste Zeit. Der linke war immer größer als der rechte Knubbel. Die Größe variierte zwischen einer „Erbse“ und diesen „rosa-weißen Schokolinsen mit Pfefferminzgeschmack“. Sie waren klar abgegrenzt und sehr leicht verschiebbar.

Da Elliot ja wegen seiner OP sowieso zu mehrmaligen Nachkontrollen bei unterschiedlichen Tierärzten war, nutzte ich die Gelegenheit immer auch auf die beiden Verdächtigen hinzuweisen. Die Mediziner wussten auch nicht so wirklich weiter, vermuteten aber nichts Schlimmes. Entzündungen, Zahnprobleme und weitere Verletzungen wurden als Ursache ausgeschlossen. Meine Haustierärztin erinnerte sich dunkel an ihre Studienzeit und tippte auf eine Verbindung mit dem Lymphsystem.

Ich wollte es jedoch zur eigenen Beruhigung genau wissen. So durchforstete ich das Internet und befragte diverse Soziale Netzwerke.
Und siehe da, die Diagnose meiner Tierärztin wurde nicht nur bestätigt, sondern die Dinger bekamen endlich auch einen Namen:

Enttarnt!

Zygomatic Gland (Jochbeindrüse) oder auch buccal node (wangenseitiger Knoten) bzw. facial node (Gesichtsknoten). Sie sind tatsächlich ein Teil des Lymphsystems. Allerdings ein „vergessener“ Teil wie Dr. John Lewis schreibt. Mit ein Grund dafür ist, dass die Jochbeindrüsen nur bei ca. 9 Prozent aller Hunde überhaupt existieren. Es gibt allerdings Rassen, bei denen diese bevorzugt vorkommen. So auch beim Weimaraner. Also doch der Taschenzaubertrick: Tadaaa! Elliots „Jokerkarte Nr. 3“.

The buccal (facial) node is the „forgotten node,“ as it is present in only approximately 9 percent of dogs […] The node seems to be more common (or just more obvious) in large breed dogs, such as Weimaraners, Vizslas, and Labrador retrievers.

John Lewis

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Jochbeindrüsen gerade bei Welpen und Junghunden besonders auffallen können. Sie sind als Teil des Lymphsystems eben auch Teil des Immunsystems. Dieses ist bei jungen Fellnasen besonders aktiv, weil es sich mit vielen neuen Erregern aus der Umwelt auseinandersetzen muss. Infolgedessen schwellen oftmals auch Lymphknoten an. Neben den bei allen Hunden üblichen (Unterkiefer, Hals, Achselhöhle usw.) eben auch die Jochbeindrüsen.

Zum Nachlesen:

Lewis, John (2019). Common and ‚forgotten‘ head and neck lymphocentrums. Veterinary Practice News: https://www.veterinarypracticenews.com/common-forgotten-head-neck-lymphocentrums/.

Show CommentsClose Comments

3 Comments

  • Trackback: Hypertrophe Osteodystrophie (HOD) – Telliot
  • Lena
    Posted 25/03/2019 17:22 0Likes

    die infos sind wirklich gut und alles sehr detailliert geschrieben,auf den fotos sind die beiden kubbel gut zu erkennen .tolle seite ! LG,lina euch noch alles gute

  • Karin
    Posted 15/08/2019 5:03 0Likes

    Was bin ich froh, dass ich den Artikel gefunden habe. Die vergessenen Lymphknoten haben mich richtig nervös gemacht, zumal mein Tierarzt offen zugab, keine Ahnung zu haben, was das ist. Mein Labbimischling (8 Monate) grüßt herzlich.
    Danke!

Leave a comment